von Willi Vogl 

Theater-AG des Lise-Meitner-Gymnasiums mit der Premiere von „Mexika-Medea-Manhatten“ 

Grenzach-Wyhlen. William Shakespears Berufsmotto „Die ganze Welt ist ein Theater“ ließe sich für die Aufführung einer Theater-AG auch sinnfällig in einen pädagogischen Grundsatz verwandeln: „Das Theater öffnet die ganze Welt.“ Geistige Durchdringung eines Stoffs, kreativer Umgang damit, sprachliche, mimische, gestische Kommunikationsfähigkeit und Körperbeherrschung sind wesentliche Lernziele. Wie kaum ein anderes Schulfach trägt Theaterspiel entscheidend zur Bewusstseins- und Charakterbildung junger Menschen bei. 

War es Mord? (Bild: Willi Vogl) 

 

22 Schüler der Klassenstufen 8 bis 12 des Lise-Meitner-Gymnasium betraten mit dem Drama „Mexiko-Medea-Manhattan“ lustvoll und konzentriert die Bühnenbretter der Schulaula. Betreut wurden sie auf dem Weg zu ihrer theatralischen Selbstfindung von engagierten Lehrern.  Ulrich Seitz und Catalina Fürstos begleiteten die Schüler nicht nur bei der Transformation des antiken Medea-Stoffes in die Gegenwart, sondern sorgten auch dafür, dass aus den vielen Schülerideen am Ende ein überzeugender Handlungsstrang mit Unterhaltungswert entstand.

Die antike Medea-Sage etwa in der Fassung von Euripides ist bekannt. Dort übt eine betrogene und verstoßene Medea gegenüber ihrem Ehemann Jason Rache. Sie ermordet ihre Rivalin, dessen Vater und die eigenen Kinder, die sie zusammen mit Jason hat.

Auch in der Wyhlener Fassung wird Medea von Jason betrogen. Allerdings wird das Publikum hier nicht Zeuge eines antiken Racheaktes. Annika Bahner zeigte in der Titelrolle zwar Enttäuschung, Verletztheit und Wut, jedoch sah sich ihre Medea durch den Verlauf der Ereignisse nicht zum Mord gezwungen. Zudem durfte man auf Grund ihres duldenden Charakters grundsätzlich an der Fähigkeit hierzu zweifeln. 

Jason (Julian Frings) beim Picknick mit seiner neuen Favoritin Kasey (Alina Fritz) (Foto: Willi Vogl) 

Julian Frings spielte mit geschmeidiger Mimik und Gestik den reichen Schönling und skrupellosen Geschäftsmann Jason, der auf dem Golfplatz seine zwielichtigen Geschäfte abwickelte. Jasons Ehe mit Medea ist zerrüttet. Er kommt mit der Tochter eines Ministers zusammen und möchte nun seine Frau in ihre mexikanische Heimat abschieben. Hierzu bedient er sich mittels Geldes und Ansehen allerlei abhängiger Helfer. Schließlich kommen ihm bizarrerweise der tödliche Unfall seiner neuen Favoritin und die damit verbundenen Gerüchte zu Medeas Mordmotiv gelegen. Indem er der Kommissarin Geld zur Fälschung des Polizeiberichts anbietet, überspannt er den Bogen. Er wird der Bestechung angezeigt und verfällt angesichts der juristischen Folgen in Panik. Medea, zwischenzeitlich in ihre Heimat geflohen, bekennt auch nach Kenntnisnahme ihrer erwiesenen Unschuld, dass sie „einen Teufel tun werde“, wieder in ihr altes Leben zurückzukehren.

Wenngleich der Medea-Stoff altersgerecht schien, blieben in der theatralischen Umsetzung einige Wünsche offen. So ermöglichte eine nahe am Alltag nachgebildete Bühnensprache zwar einen schülergerechten Zugang, erschwerte jedoch auch notwendige Überspitzungen und Verdichtungen. Eine Reihe von schönen Einfällen machte die Wyhlener Inszenierung dennoch sehenswert. Da waren das Schattenspiel, mit dem die Gegenwartshandlung durch die antiken Texte kommentiert wurde, das kommunikationsfördernde Schlagen von Golfbällen ins Publikum oder die mit dem komödiantisch begabten Marvin Grun besetzte Rolle des schlitzohrigen Dieners. Berechtigter Beifall für die Premiere der neuen Theater-AG. 

Schattenspiel mit Originaltext (Foto: Willi Vogl)  

 

 

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